Gesundheitssystem: Pensionisten zahlen mehr, Versicherte bekommen weniger

E-Card-Gebühr, höhere Selbstbehalte und gestrichene Leistungen: Die Belastungen für Versicherte nehmen zu

Die finanzielle Belastung für Versicherte im österreichischen Gesundheitssystem nimmt weiter zu. Besonders Pensionisten und Menschen mit gesundheitlichen Problemen bekommen das zunehmend zu spüren und müssen tiefer in die Tasche greifen. Ab 2027 wird auch ihnen erstmals die E-Card-Gebühr verrechnet. Dafür werden 26,85 Euro fällig, die bereits von der November-Pension 2026 einbehalten werden.

Damit kommt zu den bereits gestiegenen Krankenversicherungsbeiträgen eine weitere Belastung hinzu. Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge in das Sozialsystem eingezahlt haben, müssen nun erneut bezahlen. Gerade im Ruhestand, wenn das Einkommen meist nicht mehr steigt und die Gesundheitsausgaben häufig zunehmen, ist diese zusätzliche Abgabe alles andere als eine Kleinigkeit.

Doch die E-Card-Gebühr ist nur ein Teil der Entwicklung. Gleichzeitig wurden bei der Österreichischen Gesundheitskasse mehrere Leistungen eingeschränkt oder verteuert. Seit März 2026 entfällt bei neu eintretenden Krankengeldfällen der bisherige Familienzuschlag. Familien, die ohnehin durch Krankheit und Einkommensausfälle belastet sind, verlieren damit eine zusätzliche Unterstützung.

Auch beim Zahnersatz müssen Versicherte seit Mai 2026 tiefer in die Tasche greifen. Die Selbstbehalte für medizinisch notwendigen Zahnersatz wurden erhöht. Wer eine notwendige Zahnbehandlung oder eine Prothese benötigt, muss somit einen größeren Teil der Kosten selbst tragen.

Zusätzlich wurden die Voraussetzungen für die Kostenübernahme bei Krankentransporten geändert. Auch hier können sich für Versicherte Nachteile ergeben. Was früher unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen wurde, kann nun stärker zu einer finanziellen Belastung für die Betroffenen werden.

Das Muster ist jedenfalls kaum zu übersehen: Auf der einen Seite werden Beiträge und Gebühren erhöht, auf der anderen Seite Leistungen eingeschränkt und Selbstbehalte angehoben. Die Versicherten zahlen mehr, bekommen dafür aber nicht automatisch mehr Gesundheitsversorgung. Im Gegenteil.

Eine gewisse Entlastung soll die schrittweise Absenkung der Rezeptgebühren-Obergrenze bringen. Diese soll künftig bei 1,5 Prozent des Nettoeinkommens liegen. Allerdings wird diese Regelung erst 2030 vollständig umgesetzt sein. Während zusätzliche Kosten bereits jetzt anfallen, lässt die versprochene Entlastung noch Jahre auf sich warten.

Außerdem profitieren längst nicht alle Versicherten gleichermaßen davon. Wer nur wenige Medikamente benötigt, wird die vorgesehene Obergrenze unter Umständen überhaupt nicht erreichen.

Für Pensionisten und Arbeitnehmer ergibt sich damit eine wenig erfreuliche Rechnung: höhere Abgaben, steigende Eigenleistungen und weniger Unterstützung im Krankheitsfall. Das Vertrauen in ein solidarisches Gesundheitssystem wird dadurch nicht gerade gestärkt.

Besonders bitter ist, dass ausgerechnet jene Menschen zur Kasse gebeten werden, die dieses System durch ihre jahrzehntelangen Beiträge mitfinanziert haben. Von sozialer Absicherung bleibt zunehmend eine Rechnung übrig, die immer häufiger bei den Versicherten selbst landet.

Die entscheidende Frage lautet daher: Wie lange sollen die Beitragszahler noch höhere Belastungen hinnehmen, während gleichzeitig Leistungen verschwinden oder teurer werden? Ein Gesundheitssystem, das immer mehr kassiert und immer weniger leistet, wird seinem sozialen Auftrag jedenfalls nicht gerecht.

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