Politbonz(innen): Viel Gage kassieren aber
keine Verantwortung tragen wollen
Normalerweise haftet jeder Firmenchef für Vorkommnisse in seinem Betrieb, auch wenn diese durch Angestellte verursacht wurden und er selbst nichts davon gewusst hat. Wenn beispielsweise sein Buchhalter Gewinne am Fiskus vorbeigeschleust hat und diese in dessen privater Kassa verschwanden, hat der Firmeninhaber dafür gerade zu stehen. Das gilt natürlich auch für Fehlspekulationen. Ganz anders geht es da in der Politik zu, wie es zurzeit der Salzburger Finanzskandal be- weist. Da verspekulierte angeblich eine Beamtin einen Betrag von 340 Millionen Euro. Und niemand will davon gewusst haben, obwohl der Anwalt der Betroffenen öffentlich erklärte, dass man sehr wohl bis in die Salzburger Regierungsspitze – also auch die Landeshaupt- frau Burgstaller – informiert gewesen war. Diesbezüglich will der Jurist auch einschlägige Beweise haben. Nun hat man seitens der Salzburger Politik ein Bauernopfer erbracht, vermutlich um die aufgebrachte Bevölkerung zu beruhigen. Der rote Shooting-Politstar und Ämter-Sammler (stv. Landeshauptmann, Landesrat für Finanzen und Liegenschaften, für Kultur, für Sport) David Brenner nahm seinen Hut. Dass es für ihn Konsequenzen geben wird glauben wir nicht. Wir erwarten eher ein Comeback, wenn Gras über den Salzburger Finanzskandal gewachsen ist. Offenbar will die SPÖ mit der (vorläufigen) Verabschiedung von Brenner, die Landes- hauptfrau Burgstaller entlasten. Denn diese denkt nicht daran ihren Platz zu räumen, ob- wohl sie die politische Verantwortung für das Finanzdebakel trägt. Dass sie keineswegs ihr politisches Amt aufgeben will, unterstreicht sie auch in einem heutigen Interview mit der Krone-Redakteurin Conny Bischofberger. Wir haben uns die betreffenden Fragen mit deren Antworten herausgeschrieben und diese als „Fragen – A bis D“ gekennzeichnet.„Frage – A“
„Krone“: Frau Burgstaller, während wir hier sitzen, gibt Ihr „Kronprinz“ David Brenner
gerade seinen Rückzug aus der Politik bekannt. Haben Sie ihn dazu aufgefordert?
Gabi Burgstaller: Nein. Vielleicht sind Frauen in der Politik anders als Männer… Wir
haben viele Gespräche geführt. Ich hätte sagen können: Es ist Zeit. Aber David Brenner
nimmt seine Aufgaben und den einstimmigen Auftrag des Landtags wahr und legt bis
16. Jänner einen Bericht vor. Nun hat er selbst den Zeitpunkt gewählt und ich habe
großen Respekt vor dieser Entscheidung.
Dass in ihrer Antwort ein eindeutiger Widerspruch liegt, beweist Burgstaller mit ihrer
nächsten Fragebeantwortung.
„Frage – B“
„Krone“: Wäre es nicht für Sie auch eine große Erleichterung, zu gehen?
Burgstaller: Für mich persönlich vielleicht schon. Aber ich bin ein sehr verlässlicher
Mensch. Ich habe schon als Kind gelernt, dass man vor Aufgaben nicht davonläuft.
In der Antwort der „Frage – A“ zollt die SPÖ-Landeshauptfrau dem David Brenner für
dessen Rücktritt Respekt, während sie durch ihre Antwort zur „Frage – B“ diesen als
unverlässlich und als Davonläufer bezeichnet. Denn sie trete nicht zurück, weil sie ein
verlässlicher Mensch ist und schon als Kind gelernt hat, dass man vor Aufgaben nicht
davon läuft.
„Fragen – C bis D“
„Krone“: Was müsste passieren, dass Sie zurücktreten?Burgstaller: Wenn mein Eindruck ist, dass mir persönlich nicht mehr zugetraut wird, dass sch dieses Land politisch führe, dann ist das für mich ein klares Signal. Solange ich mich getragen fühle von der Bevölkerung in Salzburg, werde ich weiter dienen.
„Krone“: Laut einer „Krone“- Umfrage würden sich 78,3 Prozent einen Rücktritt erwarten. Burgstaller: Meine Wahrnehmung ist eine andere. Ich bekomme nicht nur Blumen, sondern auch viele Briefe und E- Mails. Tenor: Sie müssen jetzt Ihre Verantwortung wahrnehmen und dafür sorgen, dass von diesen 340 Millionen Euro möglichst nichts übrig bleibt. Die Beantwortungen der „Fragen C und D“ stellen für uns unter Beweis, wie abgehoben die Salzburger SPÖ-Politikerin ist. Offenbar ist ihr jegliches Wahrnehmungsgefühl ab- handen gekommen. Sie bekommt also Blumen und Briefe? Vielleicht ist es ihr noch nicht in den Sinn gekommen, dass es sich dabei um Trauersträuße und politische Partezettel handeln könnte.
Für uns hat sich die SPÖ-Landeshauptfrau, Gabi Burgstaller, den Titel der „Sesselkleberin des Jahres“ und die „Goldene Superklebertube“ ehrlich verdient. Das gesamte Interview – in dem sie jegliche Verantwortung von sich weist – können geneigte Leser(innen) unter diesem LINK nachlesen. *****
2012-12-16