Totgesagte leben länger – Babler überlebt seine eigene Abwahl

Babler bremste neun mächtige SPÖ-Landeschefs aus

Gestern trafen sich die neun SPÖ-Landeschefs zu einer Konferenz in Wien. Das Ziel war eigentlich klar: Der amtierende SPÖ-Chef, Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler sollte wegen seiner – vorsichtig formuliert – überschaubaren Erfolge aus seinen Funktionen gedrängt werden. Babler hatte es unter seiner Führung immerhin geschafft, die SPÖ von rund 23 Prozent auf gerade einmal 15 Prozent abzuwirtschaften. In jedem normalen Betrieb wäre ein Manager mit einer solchen Erfolgsbilanz wohl hochkant aus der Firma geflogen. In der SPÖ hingegen reicht das offenbar noch nicht einmal für einen gepackten Koffer.

Dass Babler nicht unbedingt zur geistigen Elite Österreichs gehört, muss man wohl nicht eigens erwähnen. Eine gewisse Bauernschläue kann man ihm allerdings nicht absprechen. Denn nach mehr als drei Stunden Konferenz stand fest: Babler bleibt vorerst Vizekanzler, SPÖ-Chef und Medienminister. Möglicherweise soll ihn irgendwann im kommenden Jahr Finanzminister Marterbauer ablösen. Vorausgesetzt natürlich, Marterbauer ist bis dahin gesundheitlich wieder so weit hergestellt, dass er diesen Job überhaupt übernehmen kann. Apropos Marterbauer: Dieser hatte sich erst in der vergangenen Woche im Budget um die geradezu „lächerliche“ Summe von 600 Millionen Euro verrechnet. Beträge dieser Größenordnung sind in der Politik offenbar inzwischen nur noch unter „kleine Rechenfehler“ einzuordnen.

Obwohl weder Frauenministerin Holzleitner noch SPÖ-Klubobmann Kucher besondere Ambitionen auf den Parteivorsitz erkennen ließen, wurden beide quasi als politische „Aufpasser“ neben Babler etabliert. Ab dem kommenden Jahr sollen sie dann als Doppelspitze übernehmen – und Babler seine Funktion als SPÖ-Chef abgeben. Seinen Job als Medienminister möchte Babler allerdings nicht aufgeben. Warum auch? Rund 20.000 Euro Salär im Monat sind schließlich eine durchaus überzeugende Motivation, an einem Ministeramt festzuhalten.

Politische Leichen im SPÖ-Keller?

Wie es Babler allerdings gelungen ist, neun mächtige SPÖ-Landeschefs derart auszubremsen, bleibt ein Rätsel. Vielleicht hat er im Keller der SPÖ etwas gefunden, dessen Ausgrabung man unter allen Umständen verhindern möchte. Man weiß es nicht. Aber anders lässt sich das politische Ergebnis dieser mehr als dreistündigen Krisensitzung kaum erklären.

Besonders bemerkenswert war anschließend Bablers Auftritt bei der Pressekonferenz. Dort lobte er sich selbst derart über den grünen Klee, dass man beinahe den Eindruck gewinnen konnte, die SPÖ stehe unmittelbar vor einer historischen Erfolgsgeschichte. Wie qualifiziert er sei, wie hervorragend die Regierungsarbeit funktioniere und welche großartigen Leistungen bereits erbracht wurden – immer wieder waren dabei die entscheidenden Argumente zu hören: „Ich, ich, ich“ – und dazwischen „also ehrlich gesagt“. Gott sei Dank dauerte diese politische Selbstbeweihräucherung nur rund 14 Minuten. Noch länger hätte beim Zuhören möglicherweise tatsächlich die Gefahr eines Hörsturzes bestanden.

So bleibt am Ende eine bemerkenswerte Erkenntnis: Andreas Babler, der derzeit wohl unbeliebteste Politiker Österreichs, hat es geschafft, neun mächtige SPÖ-Landeschefs auszubooten. Politisch muss man ihm dafür beinahe gratulieren. Denn eines hat Babler eindrucksvoll bewiesen: Auch wenn die Umfragewerte abstürzen, die Partei verzweifelt und die eigenen Genossen den Rücktritt diskutieren – man kann trotzdem auf seinem Sessel sitzen bleiben.

Damit bestätigt sich einmal mehr ein altes Sprichwort: „Totgesagte leben länger.“ In der SPÖ offenbar sogar dann, wenn sie von neun Landeschefs bereits für tot erklärt wurden.

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