Die MA 48 räumt auf – aber wer kauft die Fahrzeuge?
Seit dem 1. Oktober gelten neue Regeln für E-Mopeds. Für zahlreiche Fahrzeuge dürfte damit die bisherige Nutzung vorbei sein. In Wien zeigt sich nun eine unerwartete Folge dieser Vorschriften: Immer mehr elektrische Zweiräder werden offenbar einfach zurückgelassen. Statt sich um die ordnungsgemäße Entsorgung zu kümmern, überlassen manche Besitzer die Arbeit offenbar lieber der Stadt. Und die MA 48 darf anschließend die Scherben – pardon, Mopeds – aufsammeln.
Die Dimensionen sind jedenfalls bemerkenswert. Wie der „Kurier“ unter Berufung auf die MA 48 berichtet, wurden innerhalb von nur zwei Wochen insgesamt 454 E-Mopeds entfernt. Das entspricht mehr als 30 Fahrzeugen pro Tag. Die Fundorte sind dabei keineswegs auf Straßenränder beschränkt. Auch Grünflächen, öffentliche Kinderspielplätze und brachliegende Grundstücke werden offenbar zunehmend zu unfreiwilligen Abstellplätzen für ausrangierte Zweiräder. Die Kosten und der Arbeitsaufwand bleiben letztlich bei der Allgemeinheit hängen.
Dabei wäre eine ordnungsgemäße Entsorgung durchaus möglich. Die Wiener Mistplätze nehmen ausgediente E-Mopeds kostenlos entgegen. Bei defekten Fahrzeugen muss der Akku gesondert abgegeben werden. Eine Möglichkeit, die den Besitzern also durchaus offensteht. Doch zwischen Theorie und Praxis klafft eine beträchtliche Lücke. 454 Fahrzeuge musste die MA 48 aus dem öffentlichen Raum holen, aber lediglich 19 wurden offiziell bei Mistplätzen abgegeben.
Eine Bilanz, die einige Fragen aufwirft
Besonders interessant wird es allerdings bei den noch fahrtüchtigen Fahrzeugen. Denn nicht jedes eingesammelte E-Moped landet tatsächlich im Müll. Fahrzeuge, die noch fahrtüchtig sind, werden von der MA 48 – laut der Tageszeitung „HEUTE“ – weiterverkauft. Und genau hier beginnt der Teil der Geschichte, bei dem die Öffentlichkeit durchaus genauer nachfragen darf.
° Wer sind eigentlich die Käufer dieser E-Mopeds?
° Werden die Fahrzeuge ins Ausland verkauft?
° Dienen sie als Ersatzteilspender oder werden sie anderweitig genutzt?
° Und unter welchen Bedingungen erfolgt dieser Weiterverkauf?
Wenn bestimmte Modelle aufgrund neuer Vorschriften im öffentlichen Raum nicht mehr verwendet werden dürfen, ist die Frage nach ihrer weiteren Verwendung keineswegs nebensächlich. Ein Fahrzeug, das hierzulande nicht mehr legal eingesetzt werden darf, verschwindet schließlich nicht automatisch vom Markt. Es wechselt möglicherweise lediglich den Besitzer oder den Einsatzort.
Die MA 48 sollte daher offenlegen können, an wen diese Fahrzeuge verkauft werden und zu welchem Zweck. Auch die erzielten Verkaufserlöse wären von öffentlichem Interesse. Schließlich geht es um Fahrzeuge, die von der Stadt eingesammelt werden, weil sie im öffentlichen Raum zurückgelassen wurden.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht nur, warum so viele Besitzer ihre E-Mopeds einfach stehen lassen. Ebenso interessant ist, was anschließend mit ihnen geschieht. Denn wenn ausgediente Fahrzeuge weiterhin einen Verkaufswert besitzen, sollte nachvollziehbar sein, wohin sie gelangen und wer davon profitiert.
Fazit: Die Stadt räumt auf – das ist zunächst einmal notwendig. Doch Transparenz sollte nicht am Mistplatz enden.
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