Schlussendlich verschwanden die Masken und kein Hahn krähte mehr danach
Es war einmal, mitten in der Corona-Plandemie, ein österreichisches Vorzeigeprojekt namens Hygiene Austria. Palmers und Lenzing gründeten das Unternehmen, Österreich sollte seine Masken künftig selbst produzieren. „Made in Austria“ – das klang nach Unabhängigkeit, nach heimischer Wertschöpfung und nach einer Erfolgsgeschichte. Politiker kamen, Kameras liefen, Masken wurden präsentiert und der Staat wurde zum dankbaren Großkunden.
Dann kam der 2. März 2021
Plötzlich standen Polizei, Finanzpolizei und Ermittler vor der Tür. Die WKStA ließ zwei Standorte durchsuchen. Der Verdacht: Aus China stammende Masken könnten in Österreich umgepackt und anschließend als österreichische Ware verkauft worden sein. Aus „Made in Austria“ wurde damit ziemlich schnell „Made in China – aber bitte nicht so laut sagen“. Besonders pikant: Ermittler fanden Arbeiter, die offenbar genau mit diesem Umpacken beschäftigt waren. Es standen massive Vorwürfe wegen Betrugs und Schwarzarbeit im Raum.
Die Geschäftsführung wies die Vorwürfe zurück. Tino W., damals Geschäftsführer, musste sich erklären. Wenige Wochen später war seine Zeit an der Unternehmensspitze vorbei. Auch Lenzing zog sich aus der gemeinsamen Firma zurück. Der einstige Corona-Musterknabe war damit politisch und wirtschaftlich bereits ziemlich angeschlagen. Doch Österreich wäre nicht Österreich, wenn nach einer spektakulären Razzia nicht irgendwann die große Kunst des Verschwindens beginnen würde.
° Ermittlungen dauern.
° Schlagzeilen werden älter.
° Politiker wechseln ihre Themen.
° Die Plandemie verschwindet.
Und irgendwann fragt kaum noch jemand, was aus den großen Vorwürfen eigentlich geworden ist.
Es gab weitere Ermittlungen – sogar wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und gefälschte beziehungsweise verfälschte Belege. Im Raum standen rund 693.000 Euro an Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Doch auch dieses Verfahren wurde 2023 eingestellt. Eine große strafrechtliche Abrechnung blieb aus. Kein spektakulärer Prozess, bei dem die Verantwortlichen öffentlich Rede und Antwort stehen mussten.
° Kein großes Finale.
° Kein juristisches Feuerwerk.
° Stattdessen: Akten zu, Firma pleite, Thema erledigt?
Ganz so einfach ist es allerdings nicht
Es gab arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen, kartellrechtliche Konsequenzen und weitere Verfahren. 2024 wurden wegen eines Kartellverstoßes Geldbußen gegen Palmers und Lenzing verhängt. Aber wegen der ursprünglichen Maskenaffäre ist öffentlich kein rechtskräftiger Schuldspruch der zentralen Verantwortlichen bekannt. Und dann kam schließlich der wirtschaftliche Sargdeckel. Im Jänner 2024 meldete die Hygiene Austria Insolvenz an: 5,2 Millionen Euro Schulden bei rund 30 Gläubigern.
2025 war endgültig Schluss. Das einstige Corona-Vorzeigeunternehmen war Geschichte. Was bleibt? Ein Unternehmen, das mit großen politischen Versprechen startete, mit öffentlichen Aufträgen bedacht wurde, ins Zentrum einer spektakulären Razzia geriet und schließlich in der Insolvenz verschwand. Und die Verantwortlichkeit? Nun ja. Die Firma ist tot. Die Verfahren, soweit e überhaupt welche gab sind weitgehend Geschichte. Die Pandemie ist vorbei und die Masken trägt heute kaum noch jemand. Auf gut Deutsch: Kein Hahn kräht mehr danach.
Ist das die Form österreichischer Krisenbewältigung? Man wartet einfach lange genug, bis niemand mehr weiß, wer eigentlich die Rechnung bezahlen sollte? Nur eines sollte man nicht vergessen: Dass ein Verfahren eingestellt wird, ist kein absoluter Beweis dafür, dass niemals etwas fragwürdig war. Allerdings genauso wenig ist ein Ermittlungsverfahren ein Beweis für die Schuld eines Beschuldigten. Die Wahrheit wird möglicherweise dazwischen liegen. Und vielleicht liegt dort auch jene unbequeme Frage, die bei Hygiene Austria bis heute offenbleibt: Wie konnte aus dem großen politischen Versprechen „Made in Austria“ ein derartiges Desaster werden – und warum interessiert sich heute kaum noch jemand dafür? Der Ordnung halber merken wir an, dass für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung gilt.
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