E-Auto: Die nächste Stromrechnung kann es in sich haben

Wer falsch lädt, zahlt drauf – das neue Netzentgelt kann Hunderte Euro zusätzlich kosten

Kaum steigen die Zulassungszahlen bei Elektroautos spürbar an, wartet schon die nächste finanzielle Überraschung auf die Besitzer. Diesmal kommt die Belastung nicht unbedingt vom Stromlieferanten, sondern vom Netzbetreiber. Das Zauberwort heißt Leistungspreis – und könnte so manchen Umstieg auf Elektromobilität nachträglich verteuern.

Die E-Control hat ein neues Netzentgeltmodell vorgestellt, bei dem künftig nicht mehr allein der Stromverbrauch zählt. Entscheidend ist auch, wie viel Leistung ein Haushalt gleichzeitig aus dem Netz bezieht. Grundlage ist der höchste gemessene Wert innerhalb eines 15-Minuten-Zeitraums pro Monat. Ein einziger solcher Spitzenwert kann somit die Kosten für den gesamten Monat nach oben treiben. Selbst Haushalte mit geringer Leistungsaufnahme müssen mindestens zwei Kilowatt bezahlen.

Besonders teuer könnte es für Besitzer von Elektroautos werden. Denn die 11-kW-Wallbox hat sich längst als gängiger Standard etabliert. Wer sein Fahrzeug zu Hause wie bisher lädt, ohne auf die gleichzeitig laufenden Stromverbraucher zu achten, könnte künftig eine unangenehme Überraschung erleben.

Ein kurzer Ladevorgang, eine lange Rechnung

Die E-Control nennt für die endgültige Ausbaustufe des Modells einen österreichweiten Durchschnitt von 40,58 Euro brutto pro Kilowatt und Jahr bis zehn Kilowatt. Für darüber hinausgehende Leistung werden 81,17 Euro fällig.

Ein Rechenbeispiel zeigt, wohin die Reise gehen kann: Kommt ein Haushalt auf zwei Kilowatt Grundlast und betreibt zusätzlich eine 11-kW-Wallbox, ergibt sich eine Leistungsspitze von 13 Kilowatt. Wird dieser Wert jeden Monat erreicht, summiert sich das jährliche Leistungsentgelt auf rund 649 Euro. Ohne Wallbox wären es bei zwei Kilowatt lediglich rund 81 Euro.

Zwar soll im Gegenzug der verbrauchsabhängige Arbeitspreis sinken. Doch wer hohe Leistungsspitzen verursacht, kann laut E-Control insgesamt mehr bezahlen. Der vermeintlich günstige Ladestrom könnte damit eine Rechnung nach sich ziehen, die es in sich hat.

Aufpassen statt einfach anstecken

Für E-Auto-Besitzer wird es daher wichtiger, den eigenen Stromverbrauch zu koordinieren. Muss das Fahrzeug tatsächlich mit voller Leistung geladen werden? Und muss ausgerechnet dann auch noch die Wärmepumpe laufen? Wer mehrere leistungsstarke Geräte gleichzeitig betreibt, erreicht rasch 15 Kilowatt oder mehr.

Eine gewisse Entlastung ist vorgesehen: Wer dem Netzbetreiber erlaubt, die bezogene Leistung zu bestimmten Zeiten zu begrenzen, soll für den entsprechend flexiblen Anteil nur ein Viertel des regulären Leistungspreises zahlen. Der Rechtsanspruch auf diese Möglichkeit besteht allerdings erst ab Oktober 2027.

Statt netzdienliches Laden und dynamische Stromtarife stärker in den Mittelpunkt zu stellen, setzt man damit auf ein Modell, das für viele Haushalte schwer durchschaubar ist. Dabei könnten dynamische Tarife unter bestimmten Marktbedingungen sogar negative Strompreise ermöglichen.

Die Botschaft an die E-Auto-Fahrer ist damit klar: Nicht nur der Stromverbrauch, sondern auch der Zeitpunkt und die Leistung des Ladens entscheiden künftig über die Rechnung. Wer einfach einsteckt und lädt, könnte dafür kräftig zur Kasse gebeten werden. Ein schöner Willkommensgruß für jene, die gerade erst auf Elektromobilität umgestiegen sind.

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