Exportminus, sinkende Produktion und steigende Standortkosten setzen die heimische Lebensmittelindustrie unter Druck
Jahrzehntelang waren Lebensmittel aus Österreich auf internationalen Märkten gefragt. Doch nun zeigen die Zahlen erstmals in eine andere Richtung: Die Exporte gehen zurück, die Produktion schrumpft und der Handelsüberschuss schmilzt dahin. Für die heimische Lebensmittelindustrie werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zunehmend zur Belastungsprobe.
Im ersten Halbjahr 2026 sank die exportierte Menge gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 5,1 Prozent auf rund 2,9 Millionen Tonnen. Der Exportwert fiel um 0,8 Prozent auf etwa 5,3 Milliarden Euro. Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung bei der abgesetzten Produktion: Ihr Wert verringerte sich um 5,4 Prozent von 6,0 auf 5,7 Milliarden Euro.
Hohe Kosten, wachsender Druck
Als wesentliche Belastungen nennt der Fachverband der Lebensmittelindustrie die Kosten für Energie, Personal, Rohstoffe und Verpackungsmaterial sowie den bürokratischen Aufwand. Diese Faktoren würden heimische Betriebe gegenüber ausländischen Konkurrenten zunehmend ins Hintertreffen bringen.
Die Zahlen liefern jedenfalls Anlass zur Sorge. Wenn Exporte und Produktion gleichzeitig zurückgehen, steht nicht nur die Entwicklung einzelner Unternehmen auf dem Prüfstand, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich.
Deutschland bleibt wichtigster Markt
Drei Viertel der österreichischen Lebensmittelexporte gingen in die Europäische Union. Der Exportwert betrug rund 4,1 Milliarden Euro – ein Minus von 1,5 Prozent.
Besonders ins Gewicht fällt die Entwicklung in Deutschland. Mit Exporten im Wert von rund zwei Milliarden Euro ist unser Nachbar der wichtigste Absatzmarkt. Doch auch dorthin wurden weniger Lebensmittel geliefert: Die Menge sank um 5,4 Prozent, der Wert um 1,2 Prozent.
Zuwächse gab es bei den Ausfuhren nach Italien, Polen und Tschechien. Dagegen gingen die Exporte in die Niederlande, nach Ungarn und Frankreich zurück. Außerhalb der EU entwickelte sich der Handel insgesamt positiv. Allerdings verzeichneten die wichtigen Märkte Schweiz, Großbritannien und Brasilien deutliche Einbußen.
Selbst bei Getränken läuft es nicht mehr rund
Alkoholfreie Erfrischungsgetränke wie Limonaden, Energy-Drinks und Eistees führen mit knapp 1,2 Milliarden Euro weiterhin die Exportstatistik an. Doch auch hier sank die ausgeführte Menge um 3,2 Prozent.
Tierfutter und andere Lebensmittelzubereitungen legten hingegen zu. Bei feinen Backwaren, Schokoladenwaren und Fruchtsäften gab es Rückgänge. Besonders auffällig: Bei Schokoladenwaren stieg die exportierte Menge zwar um 2,2 Prozent, der Exportwert brach jedoch um 10,2 Prozent ein.
Vom Milliardenpolster bleibt immer weniger
Noch weist die Lebensmittelindustrie eine positive Außenhandelsbilanz auf. Im ersten Halbjahr 2026 betrug der Überschuss 587 Millionen Euro. Doch der längerfristige Trend ist alarmierend: Zwischen 2021 und 2025 schrumpfte der jährliche Überschuss von rund 2,14 Milliarden auf 809 Millionen Euro.
Die österreichische Lebensmittelindustrie steht damit vor einer ernsten Herausforderung. Hohe Kosten, sinkende Produktionswerte und rückläufige Exporte ergeben ein Gesamtbild, das sich nicht mit wohlklingenden Bekenntnissen zum Standort lösen lässt. Wenn Österreichs Lebensmittelhersteller international konkurrenzfähig bleiben sollen, müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Andernfalls droht der bisherige Exporterfolg zunehmend an Substanz zu verlieren.
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