Novomatic-Hans im Glück


Glücksspiel ist ein schmutziges Geschäft

Wir  haben uns schon einige Male mit dem schmutzigen Geschäft des Glücksspiels, dem
in Wahrheit eigentlich die  Bezeichnung Unglücksspiel gebührt,  beschäftigt.   Betreiber
wie  Casinos Austria  und Novomatic ereifern sich darin,  wer den besten  Spielerschutz
und  die  beste  Prävention gegen Spielsucht bietet,  während nebenbei Milliarden aus
dem Unglück – oder auch Pech genannt – der Spieler(innen) gescheffelt wird.
 
Das  Glücksspiel war und ist ein schmutziges  Geschäft und wird es auch immer bleiben.
Da nützt es auch nichts,  wenn  Kooperationen mit alteingesessenen Suchtkliniken ein-
gegangen werden, um zu versuchen dem (Unglücks)-Kind einen “anständigen“ Namen
zu geben.
 
Nach Kreierung einiger erstaunlicher Gesetze in den letzten Jahren, wurden Kleinbetrei-
ber aus dem  Geschäft gedrängt.  Den durch die neue Gesetzeslage frisch gebackenen
Kuchen,  wollen sich nun die  übriggebliebenen finanziell  potenten Glücksspielbetreiber
aufteilen.
 
Federführend dabei ist die Firma Novomatic, deren Gründer und Boss, Johann Graf, zu-
fällig der reichste  Österreicher ist.   Seinen Reichtum tut er bescheiden mit  „ich habe
Glück gehabt“ ab.  Wie recht er da doch hat, allerdings basiert sein Glück auf dem Un-
glück jener, die seine Automaten fleißig fütterten.
 

Glücksspiel-Lizenzvergabe in Niederösterreich

Besonderes  Glück  hatte  Johann Graf  auch bei der jüngsten Glücksspiel-Lizenzvergabe.
Der Novomatic-Konzern des Industriellen hat nun die einzige Konzession für den Betrieb
von Geldspielautomaten („kleines Glücksspiel“) in Niederösterreich erhalten.
 
Die  Niederösterreichische Landesregierung  erteilte der  Novomatic-Tochter ACE auf 15
Jahre die Konzession für den Betrieb von maximal 1.339 Geldspielautomaten.  Diese sind
auf  mehrere Standorte verteilt,  wobei pro  Spielstätte maximal  50 Geräte erlaubt sind.
 
Rechnerisch  heißt das,  dass die Firma  Novomatic  mit mindestens  27 Automatencasinos
das Bundesland Niederösterreich überschwemmen wird  (26 x 50 = 1.300 plus ein Betrieb
mit 39 Automaten).  Wenn die Automatenzahl pro Betriebsstätte niedriger gehalten wird,
werden vermutlich dementsprechend mehr Spielautomaten-Casinos in Betrieb gehen.
 
Durch diesen Geldspielautomatenboom wird in das flächenmäßig größte Bundesland Öster-
reichs, dementsprechend  viel Unglück importiert werden,  denn bis dato waren in Nieder-
österreich (mit Ausnahme in den Räumlichkeiten der Casinos Austria)  Geldspielautomaten
verboten.
 

Die Konkurrenz schäumt vor Wut

Des einen Glück ist des anderen Leid, so besagt es zumindest eine alte Volksweisheit. In
diesem  Fall  trifft  dieses Leid die ausgebremste Konkurrenz und diese schäumt vor Wut.
Für  diese  stellvertretend ist eine heutige Presseaussendung des Mitbewerbers AMATIC,
welcher ankündigt rechtliche Schritte bzgl. der Vergabe prüfen lassen zu wollen.
 
AMATIC  meint zur Automatenlizenzvergabe wörtlich: „Die Entscheidung und Begründung
der NÖ Landesregierung bzgl.  der Vergabe der Lizenzen für den Betrieb von Automaten-
spielsalons ist problematisch, nicht transparent und fadenscheinig.“  Tja, diese Argumente
sollten AMATIC nicht fremd sein, denn diese treffen auch auf das Glücksspiel zu.
 
Bei  AMATIC  meint man weiters,  dass die  Vergabe problematisch sei,  weil die Lizenz an
einen einzigen Bewerber vergeben und  damit  nur ein neues Monopol geschaffen wurde.
Dies widerspreche den Intentionen der EU.
 
Auch  sei  durch  die  Ausschreibung, die  die Vergabe von bis zu drei Lizenzen vorsah,  ein
Wettbewerb vorgetäuscht worden, der offenbar von vornherein nicht gewollt war. Ferner
war  nicht  einsehbar,  nach  welchen  Gesichtspunkten und mit welchen Argumenten der
Entscheidungsprozess  ablief,  inwieweit überhaupt dem Gebot der  Objektivität Rechnung
getragen wurde.
 
Diese  Jammerei  erstreckt  sich  über  die  gesamte  Presseaussendung,  deren komplette
Wiedergabe wir uns hier ersparen wollen.   Unser Mitleid mit der Firma  AMATIC hält sich in
Grenzen, da diese dasselbe unmoralische Geschäft wie hre Konkurrenz Novomatic betreibt.
 
Allerdings  dürfte der Novomatic-Boss,  Johann Graf,  um einiges schlauer sein als der Chef
von AMATIC.  Denn der reichste Österreicher hat schon im Vorfeld einige Arbeit geleistet,
die dem jetzigen Konzessionserhalt nicht abträglich gewesen sein dürfte.
 

Gewusst wie

Zufälliger  Weise war ein gewisser  Johannes Hahn  eine ganze Zeit lang NOVOMATIC-Vor-
stand.   Und dieser Hahn war,  wie es der  Zufall so will,  ehemaliger  Obmann der Wiener
Volkspartei und ist derzeit amtierender EU- Kommissar.
 
Aber  Hahn ist eine kleine  Nummer gegen das Kunststück,  welches Graf mit dem Landes-
hauptmann von Niederösterreich, Erwin Pröll,  gelang.   Er brachte  es zustande,  dass der
Landesfürst einen Kniefall vor ihm bzw. seinem Unternehmen vollzog. Aber lesen Sie selbst
die Aussendung auf der amtlichen Webseite des Bundeslandes Niederösterreich.
 
Screen: noel.gv.at
 
Es wäre doch interessant zu wissen, was Graf dem Landesfürsten von Niederösterreich ins
Ohr  geflüstert hat,  sodass dieser ein  Unternehmen dessen Produkte und deren  Betrieb
für das Unglück von zigtausenden Menschen verantwortlich waren und sind, als Leitbetrieb
lobte.   Wie aus der Aussendung auch ersichtlich ist, wurden die Feierlichkeiten von Alfons
Haider  moderiert.   Er war zu dem  Zeitpunkt zwar  nicht mehr jung,  brauchte vermutlich
aber das Geld.
 
Also werte Manager(innen) der Firma AMATIC.   Haltet Euch in Zukunft an integre, gerad-
linige  und  unbestechliche Politiker(innen),  dann klappt es vielleicht  auch mit dem Erhalt
einer Glücksspiel-Konzession.
 
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2012-03-13