Ausstellung „Psychiatrie–Tod statt Hilfe“


Die SPÖ legte zig Jahre lang schützend ihre Hand über

den Naziverbrecher und Kindermörder Heinrich Gross

Im  Palais  Palffy – Josefsplatz 6  in1 010 Wien,  findet noch bis 1. April 2015 (Montag
bis Samstag von  10.00  bis 21:00  Sonntag von  13:00 bis 19:00)  bei freiem Eintritt,
eine  Ausstellung  über die unrühmliche Geschichte und gegenwärtige Praktiken der
Psychiatrie  statt.   Die  Ausstellung  „Psychiatrie-Tod statt Hilfe“  hat  in  Deutschland
über 100.000 Besucher angezogen. (Anmeldung für spezielle Führungen unter der
Mailadresse: pr@cchr.at).
Veranstalter  ist  die   Bürgerkommission  für  Menschenrechte,  die  bei der heutigen
Eröffnung gleich zwei besondere Ehrengäste begrüßen konnte. Die Einführungsrede
wurde  vom  Sprecher  der  Bürgerkommission  für  Menschenrechte Europas (CCHR
Europe) Bernd Trepping  gehalten,  der während seines Engagements für Menschen-
rechte  in  der  Psychiatrie  mit  über  10.000 Beschwerden an öffentliche Stellen auf
Menschenrechtsverletzungen durch Psychiater hingewiesen hat.
Mit seiner Hauptrede sorgte Gerichtspräsident  i.R. Dr. Karlheinz Demel für eine Über-
raschung.   Als  vormaliger  Präsidialrichter  hatte  er  Einblick in die Gerichtsakten des
NS-Arztes  Heinrich  Gross.   Wie die Geschichte später zeigte, war Gross nicht nur der
Kindermörder vom Spiegelgrund, sondern er zerstörte in seiner Tätigkeit als psychiat-
rischer Gutachter auch sonst viele Leben.
Gross  trat  1932  der Hitlerjugend bei, 1933 auch der SA.   Nach dem Anschluss Öster-
reichs an das Deutsche Reich im März 1938 trat Gross der NSDAP bei. Nach Abschluss
seines  Medizinstudiums  begann  er  Anfang  1940 als Anstaltsarzt in der Pflegeanstalt
Ybbs  und  wechselte  im  November 1940  an  das  Krankenhaus  am Wiener Spiegel-
grund.   Dort beteiligte er sich  1944  maßgeblich  an  der Ermordung von behinderten
Kindern.
Nach  Ende  des  Naziregimes trat Gross,  wie viele andere ehemalige Nationalsozialisten
dem  Bund Sozialistischer Akademiker und der SPÖ bei.   Durch die dort geknüpften Ver-
bindungen  konnte  er  erneut  in  den  Dienst  der  Stadt Wien  treten.   Er absolvierte eine
Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Neurologie an der Nervenheilanstalt Rosen-
hügel.

Nach  Abschluss  seiner  Ausbildung  kehrte  Gross  1955  auf den Steinhof  (heute Otto-
Wagner-Spital)  zurück.   Die SPÖ legte zig  Jahre lang ihre  schützende Hand über den
Naziverbrecher.   Diesbezüglich erschien auch das Buch: „In den Fängen des Dr. Gross“,
erschienen im Czernin-Verlag Wien (ISBN 3-7076-0115-3).
Was  in  den Berichterstattungen der skandalösen Geschichte Gross unterging,  ist die Tat-
sache,  dass es Dr. Karlheinz Demel war,  der Heinrich Gross, trotz seiner Seilschaften, die
Lizenz  als  Gutachter entzogen hat.  Abgestoßen von den Machenschaften eines Heinrich
Gross hatte er als einziger zu der damaligen Zeit den Mut zu diesem Schritt.
In Wien wurden im Pavillon 15 auf der Baumgartner Höhe, wo es laut Gesundheitsstadt-
rätin  Wehsely  „halt damals so Usus war“,  Kinder  schlimmer als Tiere gehalten.   In der
Klinik Hoff  wurde  aufmüpfigen  Jugendlichen  die  Teenager-Rebellion  mittels  Elektro-
schocks „am laufenden Band“ ausgetrieben.
Heute bekommen Kinder und Jugendliche Psychopharmaka zur Ruhigstellung oder Auf-
munterung  von  der  Psychiatrie verschrieben,  anstatt sich wirklich mit ihren Problemen
auseinanderzusetzen.
Die  Ausstellung  zeigt  in  14 Stationen  die  Geschichte und die heutigen Praktiken der
Psychiatrie – Erfundene Krankheiten – Psychodrogen -E-Schocks.   Sie beinhaltet Doku-
mentarfilme  mit  Interviews von über 160 Experten aus den Bereichen Recht,  Medizin,
Psychiatrie sowie Interviews mit Überlebenden der Psychiatrie.
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2015-03-24