Österreicher mit Verantwortung – TEIL 2


Warum hält sich das Anton Proksch Institut bedeckt?

Vorige Woche haben wir den Beitrag  „Österreicher mit Verantwortung“ verfasst.  Anlass

dazu war ein erstaunliches Selbstbeweihräucherungs-Inserat des Novomatic-Konzerns in

der Kronen Zeitung.

 

Screen:  Kronen Zeitung (Printausgabe vom 17.12.11 – Seite 16)

 

Nun hat es uns keine Ruhe gelassen, warum ein Geldspielautomatenerzeuger und Aufsteller

dieser Teufelsapparate mit dem renommierten Anton Proksch Institut  (im Volksmund unter

„Kalksburg“ bekannt) zusammenarbeitet und mit diesem ein Programm entwickelt.   Dessen

rühmt sich nämlich die Firma Novomatic.

 

Im  Anton Proksch Institut ist man nämlich bemüht, Personen von diversen Süchten – unter

anderem auch von  der Spielsucht – zu heilen, während im Gegensatz dazu Novomatic aus

rein wirtschaftlichen Interessen keinen Grund an einer Spielsuchtheilung haben kann.

 

Also fragten wir diesbezüglich in der PR-Abteilung der Suchtklinik  nach.  Die dortige Presse-

sprecherin wollte oder konnte uns dazu keine Antwort geben. Jedenfalls keine zehn Minuten

nach  Beendigung  des  Telefongespräches,  rief Herr  Univ. Prof. Dr. med. Michael Musalek

(Institutsvorstand und ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts) in der Redaktion an.

 

Gut  eine halbe Stunde  lang redete der  honorige Professor  im Kreis und konnte  keine klare
Antwort auf unsere Frage geben, warum es eine Allianz zwischen einem Automatenaufsteller
– welcher eigentlich für die Spielsucht verantwortlich ist – und dem Anton Proksch Institut gibt.
Auch konnte oder wollte er bezüglich des gemeinsam entwickelten Programms keine Auskunft
geben.

 

Offenbar  hält man sich im Anton Proksch Institut sehr bedeckt,  was die Zusammenarbeit mit

einem  der weltgrößten Geldspielautomatenerzeuger und Aufsteller betrifft.   Allerdings fiel im

Gespräch seitens Dr. Musalek der bemerkenswerter Satz: „Mitarbeiter von Novomatic werden

im Institut geschult.“

 

Da staunen wir aber, ist es doch Aufgabe der Suchtklinik suchtkranke Personen zu heilen. Was

wird da wohl den Novomatic-Mitarbeiter(innen) in Schulungen mit auf den Weg gegeben,  dass

einen Heilungsprozess beschleunigen könnte oder gar zur Verhinderung der Spielsucht beiträgt?

 

Da  wir uns mit der verbalen Abspeisung des Professors nicht zufrieden geben wollten,  verfass-
ten wir eine schriftliche Anfrage an das Anton Proksch Institut.   Dort blockte man jedoch weiter
und teilte uns per E-Mail mit,  dass Dr. Musalek weiterhin gerne für mündliche Auskunft zur Ver-
fügung  stehen würde,  aber es ihm aus Zeitgründen nicht möglich sei eine schriftliche Stellung-
nahme (bzw. Aufklärung) zu verfassen.

 

Diese Antwort verstehen wir natürlich, denn an einer schriftlichen Stellungnahme kann im nach-

hinein  nicht  mehr gerüttelt werden,  während es bei  mündlichen Auskünften  doch  zu einem
„Hörfehler“  gekommen sein könnte.

 

Unsere Theorie

Bei ERSTAUNLICH versteht man zugegebener Weise nichts von Suchtheilung, allerdings ist uns

auch als Laie klar, dass eine Zusammenarbeit zwischen „Täter“ und „Heiler“ mehr als erstaun-

lich ist.   Wir vermuten dahinter eine ausgeklügelte Werbestrategie der Firma Novomatic,  die

sich dabei das renommierte Anton Proksch Institut als Feigenblatt umhängt.

 

Unsere Vermutung begründen wir folgender Maßen: Im Grunde genommen ist kein Mensch von

Natur aus süchtig. Zuerst muss ein Bedürfnis geweckt werden und dies geschieht mit Werbung.

Daraufhin erfolgt die Konsumation und diese kann zu Suchtverhalten führen.

 

Was  Geldspielautomaten anrichten können  ist  hinlänglich bekannt und deshalb sind diese ver-
pönt.  Die Aufsteller dieser Geräte genießen  in  der  Gesellschaft keinen  guten Ruf.   Es wäre
daher  für die Firma Novomatic nicht von Vorteil,  wenn diese  beispielsweise mit der neuesten
Generation  ihrer  Spielautomaten  werben würden.   Also beschloss man  beim Geldspielauto-
matenaufsteller  offenbar das Pferd von hinten  aufzusatteln  und heuchelt  ein Gutmenschen –
Image vor.

 

Was liegt da näher, als sich zum Schein medial für jene Menschen einzusetzen, die durch Geld-

spielautomaten  (auch die der Firma Novomatic)  an den  Rand des sozialen Abgrunds geschlit-
tert sind,  da diese  in ihrer Spielsucht  ihr gesamtes Hab  und Gut verloren haben.   Ein logisch
denkender  Mensch durchschaut  diese Strategie sofort,  denn ein Geldspielautomatenerzeuger
und Aufsteller kann nur von pathologischen Spielern leben und kann aus wirtschaftlichen Grün-
den kein Interesse an einer Ausmerzung der Spielsucht haben.

 

Bei  oberflächlicher  Betrachtung  des  Inserates,  indem  die  Zusammenarbeit mit dem Anton
Proksch Institut angepriesen wird,  könnte ein ungeübter Leser durchaus zur Ansicht gelangen,
dass  es sich bei  der Firma Novomatic um ein  Unternehmen handelt,  welches ihre Geschäfte
zum Wohle der Menschen betreibt.

 

Dass  dem nicht  so sein kann  beweist die Tatsache,  dass diese  Firma hauptsächlich dadurch
zum  drittgrößten Geldspielautomatenerzeuger  und Aufsteller aufgestiegen ist,  weil genügend
Menschen auf deren  „Einarmigen Banditen“ spielsüchtig wurden und ihr gesamtes Hab und Gut
verspielt haben.

 

Mit dem in sich widersprüchlichen Inserat will Novomatic offenbar ein Gutmenschen-Image vor-
gaukeln  und hängt sich wie bereits im Beitrag erwähnt,  das Anton Proksch Institut  als Feigen-

blatt um. Das Traurige an der Angelegenheit ist zweifelsohne, dass dieses renommierte Institut

bei dieser Farce mitspielt.

 

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2011-12-26